Alle zwei Jahre ruft die Biker
Union e.V. zur Sternfahrt nach Berlin auf, einer Motorrad-Demo quer
durch Deutschland, die deutlich machen soll, dass Biker, Rocker und
Motorradfahrer längst nicht mit allem einverstanden sind, was die
Regierenden sich ausdenken!
Und so starteten auch diesmal wieder am Dienstag Gruppen in Stuttgart,
Flensburg und München, zunächst in überschaubarer Größe, was sich
aber in den nächsten Tagen schnell ändern sollte.
Auf allen Routen war für Übernachtungsmöglichkeiten
gesorgt.
Dank der Gastfreundschaft verschiedener Clubs, Fahrgemeinschaften und
BU-Stammtischen konnten die Sternfahrer nach bewältigter Tagesetappe ihre
müden Knochen ausstrecken, oftmals bei 'nem kühlen Bier am Lagerfeuer.
Die zu durchquerenden Bundesländer stellen Polizeikräfte
zur Verfügung, die für freie Fahrt sorgten. Rote Ampeln waren in dieser
Woche kein Thema, denn jetzt mussten mal alle anderen Verkehrsteilnehmer
auf uns Rücksicht nehmen und warten, bis sich die Mopeds ihren Weg
gebahnt hatten.
Die Teilnehmerzahl wuchs während der vier Anreisetage nach
Berlin stetig an. Oft konnte man am Straßenrand Leute auf vollbepackten
Motorrädern sehen, die darauf warteten, sich dem Konvoi anzuschließen.
Über die genaue Routenführung hatten sie sich schon im Vorwege auf der
offiziellen Sternfahrt-HP
informieren können.
Am Freitag trafen schließlich auf der Raststätte Buckautal
an der BAB 2 die Sternfahrer aus Süd-West, Nord-West und Süd-Ost
zusammen. Hier war erst Mal große Begrüßung und Wiedersehensfreude
angesagt, nach kurzer Verschnaufpause sollte es dann weiter in der letzten
Etappe zum Partyplatz in Jühnsdorf gehen ...
Zunächst musste aber von Seiten des BU-Vorstandes
Überzeugungsarbeit bei der Polizei des Landes Brandenburg geleistet
werden, denn die war nur mit zwei Fahrzeugen angerückt und hatte die
Anordnung, die Autobahn keines Falls komplett für uns zu sperren, sondern
uns lediglich die rechte Spur zur Verfügung zu stellen. Der restliche
Verkehr sollte links an uns vorbei ziehen, Zu- und Abfahrten sollten
ebenfalls "offen" bleiben und das alles bei einem
Motorradkonvoi, der ca. 4 Kilometer lang ist. Wirklich überraschend kamen
diese Repressalien aber nicht, denn bereits auf der 5. Sternfahrt im Jahre
2003 zeigte sich Brandenburg als einziges Bundesland unkooperativ und
engstirnig, als es um die Durchführung dieser Demofahrt ging.
Zu guter Letzt ließen sich die Beamten aber davon überzeugen, dass ihre
geplante Vorgehensweise äußerst halsbrecherisch und lebensgefährlich
für die teilnehmenden Motorradfahrer ist ...
... und entschlossen sich doch endlich mit Hilfe unserer
eigenen Ordner die BAB für den restlichen Verkehr zu sperren.
So kamen wir mit einiger Verspätung doch endlich wieder auf die
Piste.
Der Anblick, der sich nun jedem von uns bot, entschädigte für die
Wartezeit, denn wenn man mit rund 300 Bikern in schnurgerader Zweierreihe
fährt, weder den Anfang noch das Ende dieser Kolonne erkennen kann, ist
das schon ein ganz besonderer Augenblick, Sternfahrtvirus eben! :)
Irgendwann am Nachmittag kamen wir schließlich auf dem
Ziel- und Partygelände in Jühnsdorf bei Berlin an ...
Auch hier trafen wir Teilnehmer, die aus Zeitmangel oder sonstigen
Gründen nicht die ganze Woche mitfahren konnten, sondern den direkten Weg
gewählt hatten, um bei der Kundgebung am nächsten Tag dabei sein zu
können.
Auf diesem idyllischen Fleckchen Erde konnten wir uns
häuslichen einrichten, ...
... für das leibliche Wohl wurde von den Betreibern des
Bistro-Cafes PS Bar
reichlich und vielfältig gesorgt, ...
... Grill, Bierwagen und Kuchenbuffet wurden belagert, an
einigen Händlerständen konnte ein bisschen 'rum gestöbert werden,
entspannte Stimmung machte sich breit.
Und dann war endlich Samstag, der Tag, an dem es durch Berlin gehen
sollte.
Nach einigen Anweisungen des BU-Vorsitzenden Hilton reihten
wir uns in ordentlicher Zweierreihe auf, um ...
... zunächst zum Olympiastadion zu fahren, wo wir schon von
einigen "einheimischen" Motorradfahrern erwartet wurden.
Nach kurzem Aufenthalt ging's dann im Korso weiter durch die belebte
Innenstadt.
Vorbei an verwunderten Passanten, die uns aber
größtenteils freundlich zu winkten, und entlang der
geschichtsträchtigen Prachtstraßen bis hin zum Versammlungsort, dem
Schloßplatz.
Die Kundgebung selbst dauerte nicht all zu lang, worüber
die Anwesenden sicher nicht besonders traurig waren, denn bei
hochsommerlichen Temperaturen hier zu stehen, war nicht unbedingt
erfrischend.
Leider ließ sich auch in diesem Jahr niemand von
offizieller Seite blicken, so dass vielleicht bei einigen der Gedanke
aufkam, was das alles soll. Die Forderungen, die hier jetzt genannt
wurden, waren schließlich den meisten von uns bekannt, was nützt es da,
sie noch mal zu verkünden, wenn niemand außer uns selbst sie
hört?!?
Und überhaupt, wieso stehen hier nur rund 500 Maschinen, wo doch so viele
am meckern und stöhnen sind wegen drohender zusätzlicher Steuererhöhung
nur für Motorräder, mangelndem Interesse an den Sicherheitsbedürfnissen
motorisierter Zweiradfahrer (z.B. Bitumen + Leitplanken),
Straßensperrungen, die nur uns aussperren und vielem mehr? Kein Wunder,
dass eine so geringe Teilnehmeranzahl keinen Politiker hinterm Ofen
hervorlockt, wenn da nur so'n paar Leute stehen, können die Probleme ja
nicht wirklich so brenzlig sein. Könnte man jetzt meinen ...
Ok, es gibt sicher eine Menge Gründe, weshalb man nicht an der
Sternfahrt teilnehmen kann - Arbeitslosigkeit, keine Kohle für so 'ne
lange Tour, berufliche und/oder familiäre Verpflichtungen,
gesundheitliche Einschränkungen, und, und, und ... alles stichhaltige
Argumente.
Leider wird aber auch immer wieder der Spruch "das bringt doch
sowieso nix!" angeführt und da bekomme ich persönlich wirklich 'nen
dicken Hals! Nicht zu Letzt geht es hier auch um die Gemeinschaft, die
doch so vielen Bikern, Rockern und Motorradfahrern angeblich so wichtig
ist. Gemeinsam fahren, gemeinsam kämpfen für unsere Rechte! Und
gemeinsam feiern, denn auch dieser Aspekt kommt auf der Sternfahrt nicht
zu kurz, wie auch bei diesem Mal wieder gezeigt wurde.
Nach abschließender Fahrt zurück zum Partygelände gab's
nämlich noch einen richtig schönen Abend am Lagerfeuer bei Livemucke und
Futter vom Grill.
Zeit, um sich von den Eindrücken dieses Tages zu erzählen, alte und neue
Bekanntschaften zu pflegen und sich bereits für die Sternfahrt 2007 zu
verabreden.
Glückwunsch an Alle, die diesen ellenlangen Bericht bis
hier her überstanden haben, vielen Dank! ;)
Respekt vor allen Leuten, die an der Organisation und Durchführung der
diesjährigen Sternfahrt beteiligt waren, allein diese geleistete Arbeit
macht eine Teilnahme bei der Sternfahrt 2007 für mich und sicher auch
für einige andere zur Ehrensache!
Unzählige Fotoalben findet Ihr auf der Sternfahrt-HP,
an dieser Stelle auch ein dickes Danke an Ulli, die dafür gesorgt hat,
dass auf diesen von ihr erstellten Seiten alle Infos zusammen getragen
werden können.